Sonntag, 9. August 2015

Sommerhäkelei: Dreieckstuch

...oder ein Halswärmer für den Norddeutschen Sommer.


Das ich im Sommer in meiner Wolltüte wühle ist mir noch nie passiert... Aber da dieses Jahr gefühlt auf einen 23 Grad- (man ist ja genügsam geworden) Tag mindestens 6 Tage mit 15 Grad kommen, ist meine innere Uhr wohl etwas aus dem Takt. Und so ich noch nicht genug Halstücher, Loops und Schals in diversen Materialzusammensetzungen besitze (*ähm*) ist im laufe der letzen Woche ein Häkeltuch aus kuscheliger Merinowolle entstanden. Dafür, dass ich nur ab und zu mal zur Häkelnadel greife, bin ich recht zufrieden mit meinem Projekt.^^


In meinem kleinen Wollsammelsurium habe zwei 25g Knäule "Lang Yarns, Merino S160 superfine" in einem (mehr)grün(als)blauton gefunden (ein kleiner Rest ist leider immer noch übrig, und schmiegt sich grade an meinen "Besser aufheben, könnte man vielleicht noch verwenden"-Tick, der sich wiederum mit dem "Ich will mich nicht mehr so vollmölen"-Bedürfnis kabbelt).

Die Anleitung habe ich aus meinem allerersten billig erstandenen und mit Wissen, Maschen und Mustern, sowie besonders altbackenen Fotos vollgepackten Häkellernbuch, dass es heute wahrscheinlich nicht mehr (zumindest nicht neu) zukaufen gibt. Ich habe aber bis heute noch nicht in einem Buch geblättert, das vergleichbar umfangreich und verständlich aufgebaut ist.


Wie beim Einkaufsnetz, besteht auch dieses Halstuch (das im Buch eigentlich als Schultertuch konzipiert ist) hauptsächlich aus Luftmaschenbögen. Hinzu kommen feste Maschen, Stäbchen, Doppelstäbchen und Dreifachstäbchen, so dass nach und nach ein Karomuster entsteht. Man beginnt an der Spitze und arbeitet sich dann in Reihen in die Breite. Die Längsseite habe ich am Schluss mit einer Piquot, bzw. Mäusezähnchenreihe versehen.


Zudem habe ich mir die Mühe gemacht und das Tuch am Ende mit viel Dampf unter einem feuchten Handtuch gebügelt. Meine Güte, was für ein Unterschied...

Da das Teil mir so gut von der Hand ging, wird dieses Dreieckstuch mit Sicherheit irgendwann nochmal zuwachs bekommen. :)




Sonntag, 2. August 2015

Genähtes: Hippie-Beutel

...der Hippiebeutel für jede Lebenslage.

 


Vieles lässt sich darin verstauen. Strandequipment zum Beispiel. Picknick. Auch mit dem Fahrradkorb versteht er sich gut. Unmengen an Einkäufen verschwinden darin. Durch den breiten Träger lässt er sich auch schwer befüllt bequem tragen, schneidet an der Schulter nicht ein und macht auch leer noch eine gute Figur.



Die Schnittvorlage habe ich ursprünglich von Nähen und schneidern aber mittlerweile etwas abgewandelt. Der Beutel ist schnell gemacht und man kann sich austoben, was Stoffauswahl, Futter, Verschlussart oder zusätzliche Taschen innen oder außen angeht. Der Schnitt lässt sich leicht abwandeln, bzw. erweitern.








Mein Beutel hier ist diesmal ohne Futter und Innentasche, dafür mit doppeltem Boden genäht. Er hat ein Band zum zubinden und zwei Schlaufen zum Dinge dran anklippen bekommen.


Sonntag, 26. Juli 2015

Sommerhäkelei: Gehäkeltes krümelkirschiges Einkaufsnetz

 ...oder das Antiplastiktüten-und-Gegen-0815-Einkaufsbeutel-Nostalgienetz.



Oma hatte so ein Einkaufsnetz (aus so roter dünner unkaputtbarer Plastikschnur) immer griffbereit an der Kellertreppe hängen, um Vorräte von unten nach oben zu holen... Als ich im Buch "Häkeln Schritt für Schritt" von Sally Harding auf diese Anleitung gestoßen bin, war ich spontan angetan.


Aus einem Krümelmonsterblauen Knäuel (50g, Kunstfaser) und Häkelnadel Nr 5 ist das Beutelstück billig und vor allem schnell fertig. Das Teil besteht im Grunde nur aus Festen Maschen und Luftmaschenbögen in Runden gehäkelt und wächst daher auch sehr schnell in die Höhe. Die Kirschen habe ich frei nach Youtube aus ein paar Garnresten hinzugedichtet.


Damit auch kleinere Teile nicht so schnell rausfallen, besteht der Boden aus festen Maschen (in Runden gehäkelt), gefolgt von größer werdenden Lufmaschenbögen. Die Griffe werden wieder aus festen Maschen gehäkelt. Wer sich beim fernsehgucken, hörbuchhören etc. schnell unterfordert fühlt, bekommt in 2 - 3 Abenden so ein Netz fertig.

Zum Thema Praxistauglichkeit...
Nun ja, es ist ein Netz und hat halt Löcher. ;) Damit sind Kleinteile potenziell gefährdet unerwünscht abhanden zu kommen. Und gegen das Volumen/Packmaß-Verhältnis eines schnöden (bzw. schön bunten und immer wieder in neuen Designs erhältlichen, ähem) Rossmanbeutels kommt das Netz auch nicht an. Mit einem dünneren Garn und ein paar Runden mehr Luftmaschenbögen könnte man letzteren Kritikpunkt zumindest abmildern. Trotzdem ist es ein schönes kleines DIY-Projekt, das sich auf der Straße angenehm abhebt vom einerlei der Einkaufsbeutel und vielleicht beim ein oder anderen (positive!) Erinnerungen an Omas Kellertreppe weckt.

Sonntag, 12. Juli 2015

Verdunkelungstaktik

...oder ein Raffrollo upcyceln...


Einer meiner vergangenen Stoffmarktbesuche brachte mir diesen Jacquardstoff mit 68ger Muster ein. Auf Beigefarbenem Grund tummeln sich jede Menge Anspielungen in Form von Kultobjekten, Textzeilen und Schlagworten aus der damaligen Zeit und heute immer noch den Duft von Gras, Freiheit, Rebellion, Selbsterfahrung und -verwirklichung und Barfusssein mit sich tragen.

Bruchstücke aus den 60er und 70er haben in meinem Herzen so viel mehr Platz als alle Jahrzehnte die danach folgen bis heute gerechnet. Spontan fällt mir traurigerweise auch nichts ein, was ich annähernd mit so viel Begeisterung und Wärme betrachte. Ich werfe alten VW-Bussen auf der Straße sehnsuchtsvolle Blicke und meinem Gegenüber kindliche "O-guck-mal!"-s zu. Das passiert mir nicht bei einem VW-Golf. Oder allein der Plattenspieler. Die Hebel, Schalter und Drehknöpfe für Geschwindigkeit, Absenken und Feinjustierung. Der Geruch der alten Platten, das Durchstöbern, finden und Auspacken, das schwarzglänzende Vinyl und die Rillen, das Geräusch der Nadel beim Auflegen und schließlich dieser besondere Sound, der digital bestenfalls imitiert wirkt. Und die Musik? Beatles, Stones, Jethro Tull, Doors, Hendrixs, Musik, die meine Energiereserven auffüllt, mich zum tanzen bringt und an andere Orte transportiert anstatt mich zu berieseln und abzustumpfen.

Und heute? Computer und Smartphones vermitteln mir doch eher den Eindruck mein Leben in sklavisch getakteter Existenz zu fristen. Gibt es sonst noch etwas, was die letzten Jahrzehnte so geprägt hat, woran man sich in fünfzig Jahren noch mit glänzenden Augen erinnert und was man dann vielleicht sogar noch immer genießt?


Aber nun zum Wesentlichen zurück, demm Raffrollo. ^^ Der Stoff war erstmal gekauft, auch wenn seine Bestimmung noch ein wenig verhüllt vor mir lag. Eine Strandttasche? Eine Wandaufbewarung? Ein Teppich? Dan ließ meine bessere Hälfte anklingen, dass das alte Raffrollo doch der Lichtzufuhr am Wochenende beim Ausschlafen nicht wirklich gewachsen sei und dadurch der männliche Schlummer von Zeit zu Zeit leide. Hm. Das ist natürlich übel und muss geändert werden. Nun verhält es sich aber so, dass mich Verdunkelungsrollos mein Zeitgefühl dermaßen beeinträchtigen, dass es mir kein Lösung schien, ein solches an die Wand zu bringen.

Gut, dann also der Jacquardstoff, von dem ich natürlich zu wenig gekauft hatte, um das ganze wirklich professionell aussehen zu lassen. Aber das Ergebnis freut mich trotzdem.

Denn Stoff habe ich auf Rollobreite plus Nahtzugabe zugeschnitten, einmal mit der Maschine rundum gesäumt und mit je drei Druckknöpfen an jedem Querstreben befestigt. So kann man den Stoff wieder abnehmen, wenn man ihn mal Waschen möchte oder sich satt gesehen hat an dem Muster.
Auch wenn es sich um einen hellen Stoff handelt, schluckt es doch ziemlich viel Licht, grade so, dass man bequem am Wochenende auch mal ausschlafen kann und trotzdem eine Ahnung von Tageszeit und Wetterlage hat, damit man nicht den ganzen Tag vertüdelt.